WAS Kinder essen zeigen WIR ihnen

Unsere Kinder entwickeln DEN Geschmack, den wir ihnen angewöhnen

Als Ernährungscoach beschäftige ich mich täglich mit dem Thema Ernährung und den wissenschaftlich bekannten Zusammenhängen. Beim Thema "Kinder und Geschmack" kommt zu den zahlreichen Studien auch mein Alltag mit drei Kindern und deren unterschiedlichen Institutionen hinzu. Wie groß unsere Vorbildfunktion bei der Ernährung unserer Kinder ist, wird mir täglich bewusst gemacht. Der Einfluss der Schule oder auch der Kita auf das Essverhalten der Kinder ist mittlerweile immens. Umso wichtiger ist es, dass die Qualität des Essens in diesen Institutionen hochwertig, vollwertig, lecker und sättigend ist. Das beinhaltet meines Erachtens auch, dass es so natürlich und unverarbeitet wie möglich sein sollte. Allerdings müssen wir als erstes einmal bei uns selber anfangen, DENN die Geschmacksbildung unserer Kinder fängt schon viel früher an …

Was ist der Ursprung unseres Geschmacks

Süß ist lecker, süß ist gut, diesen Geschmack bringen wir schon mit auf die Welt. Unsere süße Vorliebe ist Jahrtausende alt. Wenn wir vom angeborenen Aspekt unseres Geschmacks reden, sprechen wir von den Ursprüngen aus der Steinzeit. Allerdings sollten wir uns darauf nicht ausruhen, denn es gibt zwei ganz wesentliche Unterschiede:

  • Unsere Vorfahren waren auf ihren Geschmackssinn viel stärker angewiesen. Er war die letzte Hilfe bei der Entscheidung etwas hinunterzuschlucken oder doch lieber auszuspucken. Giftige Pflanzen schmecken oft bitter, Saures ist häufig unreif oder bakteriell verunreinigt. Süßes allerdings signalisierte in erster Linie: schnell verfügbare Energiezufuhr = Überleben UND: Kalorien in Form von Kohlehydraten – die konnten die Urmenschen gut gebrauchen, denn in der Steinzeit drohte stets der Hunger. Das Leben bestand daraus, Nahrung zu suchen, um zu überleben. Es ging ausschließlich darum Nahrung zu finden, die Energie lieferte, um die Nahrungsbeschaffung für die nächste Energiezufuhr zu sichern.

  • Zudem war die Nahrungsmenge- und vielfalt deutlich eingeschränkter. Was zur Folge hatte, dass die Menschen sich saisonal, regional und natürlicher ernährten.

Jahrtausende brauchte der Mensch, um den perfekten Stoff seines Verlangens zu erschaffen: den Zucker

Diese Anreize der Süße sind nicht verloren gegangen, so dass mit der Weiterentwicklung des Menschen auch die Energieaufnahme über das Hungergefühl hinaus entstanden ist.

Molekularbiologen konnten im Gehirn die Ausschüttung körpereigener Opiate beobachten, sobald ein Mensch Süßes schmeckt. Anthropologen erforschten, wie enthusiastisch Urvölker, die keine süßen Speisen kannten, beim Erstkontakt mit Süßigkeiten reagierten. Eine regelrechte Zuckersucht liegt in der Natur des Menschen.

Drei grundlegende Änderungen der Ernährungsweise trägt jeder Mensch in sich:

  • Die erste ist älter als unsere Art und ereignete sich vor drei bis vier Millionen Jahren bei unseren Vorfahren, den Australopithecinen. Der Abrieb der Zähne und des Zahnschmelzes zeigen Anthropologen: Diese Primaten ernährten sich deutlich vielfältiger als andere Menschenaffen – was ihnen wohl einen evolutionären Vorteil bot.

  • Der breit gefächerte Appetit vererbte sich auf die Hominiden. Vor rund 10.000 Jahren läutete Homo sapiens Umwälzung Nummer zwei ein, als er sesshaft wurde und Bauer. Getreide und Milch bereicherten nun den Speiseplan, aber auch Süßes konnte gezielt produziert werden (Obstanbau, Bienenhaltung). Bloß blieb die Menge gering.

  • Dies änderte sich erst mit der dritten Ernährungswende – dem Ende der allgemeinen Selbstversorgung und der bald industriellen Massenproduktion von Lebensmitteln.

Erlernter Geschmack

Es wäre falsch, sich darauf auszuruhen, den angeborenen Geschmack als gegeben hinzunehmen und die daraus resultierende Übergewichts-Problematik nicht zu beachten.

Den weitaus größten Anteil macht wohl der erlernte Geschmack aus. Schon in den ersten Jahren bauen wir so eine Art Geschmacksgedächtnis auf. Er ist entscheidend für die Geschmacksprägung. Wenn ein Kind zum Beispiel häufiger Ketchup isst als die ursprüngliche Tomate, kann es sein, dass es unter der Kategorie Tomatengeschmack den Geschmack des Ketchups speichert. Ist dieser Geschmack vertrauter als der Geschmack der echten Tomate, wird diese möglicherweise abgelehnt.

Meines Erachtens ist das eines der Hauptprobleme des momentanen Lebensmitteltrends: die Verfälschung echter, natürlicher Lebensmittel bis zur Unkenntlichkeit. Die berühmten „Quetschies“ sind nur ein Beispiel von vielen. Wer sich also von klein auf an die künstlichen Aromen gewöhnt hat, dem schmeckt die Tüten-Tomaten-Sauce natürlich besser als die Selbstgemachte.

Absurderweise vereinheitlicht dieser Geschmack die gesamte Welt. Die Zahl der weltweit verfügbaren Fertigprodukte, die in Europa und Amerika, aber auch in Asien und Afrika gleich schmecken und aussehen, steigen stetig und führen letztendlich dazu, dass man überall auf der Welt alles erhält.

Geschmack und Emotionen

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entwicklung des Geschmackssinns sind die Gefühle die das Kind mit dem jeweiligen Geschmack verbindet. Sowohl eine angenehme Essatmosphäre, als auch ein Lebensmittel, das ein Kind als Belohnung erhält (z.B. ein Schokoriegel, wenn es sich toll verhalten hat), kann dazu führen, dass ein Kind dieses Nahrungsmittel favorisiert.

Das Gleiche gilt allerdings, wenn man Kinder dazu bringen möchte, unter „Zwang“ bestimmte Lebensmittel essen zu müssen. Gesundheitliche Motive sind im Kindesalter noch nicht interessant, aus diesem Grund sollte die Herangehensweise an ein gesundes Lebensmittel ohne Zwang erfolgen.

Geschmacksschulungen

Unsere Erfahrungen als Ernährungsberater und Eltern zeigen, dass Geschmacksschulungen immer wichtiger werden. Am Besten so früh wie möglich, das heißt, sie sollten ein fester Bestandteil bei der Arbeit in unseren Kindertagesstätten sein. Die Kinder werden spielerisch mit allen Sinnen an den ursprünglichen Geschmack verschiedenster Lebensmittel herangeführt: Sie fassen es an und spüren die Konsistenz, sie nehmen die unterschiedlichen Gerüche wahr, sie sehen die Form und die verschiedenen Farben und sie hören was für ein Geräusch es macht beim Kauen, und zu guter Letzt schmecken sie, ob es süß, sauer, bitter, lecker, eklig oder salzig schmeckt.

Und so einfach geht es:

  1. Lasst die Kinder kleine Schüsseln mit Lebensmitteln selbst befüllen. So entstehen schon die ersten Sinneswahrnehmungen im Kontakt mit dem Lebensmittel. Sie spüren die Konsistenz, riechen, sehen und spüren sie. Beispiel: Orangen, Zitronen, Äpfel, Bananen, Ananas, Tomaten, Gurken, Radieschen und so weiter

  2. Die Kinder setzen sich der Reihe nach hin und schließen ihre Augen. Nun dürfen sie nacheinander den Geschmack testen und wahrnehmen.

  3. Wir sollten nicht verpassen, mit den Kindern über die unterschiedlichen Wahrnehmungen zu reden. Wenn wir den Test zu Hause durchführen, können wir dadurch sofort auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Durch die Auswahl der Lebensmittel können wir sogar schon eine erste Richtung der Ernährungsweise vorgeben, ohne, dass das Kind das Gefühl bekommt, unter gesundheitlichen Aspekten ein Nahrungsmittel essen zu müssen. Denn wenn wir die Schüsseln mit Äpfeln, Zitronen, Avocados, Tomaten, Nüssen, Sonnenblumenkerne, Brokkoli, Gurken, Paprika, Datteln, Feigen etc. befüllen und ihnen die Aufgabe geben, etwas Süßes, Bitteres, Frisches, Saures UND Leckeres, Nicht-so-Leckeres herauszusuchen, haben wir schon klare Ansätze, wie wir die Kost unserer Kleinen in Zukunft gestalten können.

  4. Als Letztes dürfen die Kinder sich auf die Schüsseln stürzen und sie aufessen 😊

Ein weiteres Experiment richtet sich wohl eher an Erwachsene: Wir testen den unterschiedlichen Geschmack verschiedener Apfelsorten:

  1. Verschiedene Apfelsorten werden verkostet. Die Teilnehmer sollen nun ihr Geschmacksempfinden beschreiben, z.B. schmecken die Apfelsorten alle gleich? Wie schmecken die Äpfel, süß oder sauer? Wie fühlen sich die Apfelschnitzel auf der Zunge an, fest, saftig oder mürbe?

  2. Der nächste Schritt könnte eine Art Apfel-Memory sein: Dazu müssen klein geschnittene Apfelstücke probiert und gleiche Apfelsorten einander zugeordnet werden.

  3. Um die Geschmacksempfindungen zum Ende richtig herauszufordern, macht es Erwachsenen wie Kindern besonders Spaß, Konservenobst mit natürlichem Obst zu schmecken und zu unterscheiden UND wer weiß, dem Einen oder Anderen fällt das möglicherweise gar nicht so leicht…😉

Mit ein wenig Phantasie und Kreativität fallen uns viele verschiedene Varianten der Geschmacksschulungen ein. Probiert es einfach mal zu Hause aus, im Kreise der Familie oder mit Freunden! Viel Spaß!!!

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Wir wünschen Dir viel Freude, Aha´s und Erfolg beim Abnehmen.

Steffi & Jürgen

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